Discussion
11 Oct 2019

WTF!

Das queere und feministische Potenzial des Skandals
Queere und feministische Interventionen stellen Traditionen, Konventionen und Normen infrage. Um ihre politischen und künstlerischen Ziele zu erreichen, überschreiten sie systematisch Grenzen. Nicht selten werden diese strategischen Grenzüberschreitungen als skandalös wahrgenommen und rezipiert. Gleichzeitig ist der skandalöse Akt eine Möglichkeit, Ansprüche geltend zu machen, Rechte einzufordern und sich gesellschaftliche Räume anzueignen.

Die Abendveranstaltung der diesjährigen Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien beschäftigt sich mit dem queeren und feministischen Potenzial von Skandalen. Die Wissenschaftlerin und Künstlerin Reyhan Şahin aka Lady Bitch Ray, die Philosophin und FSGS-Alumna Jule Govrin und die Geschlechterforscherin und Polittunte Patsy l’Amour laLove diskutieren darüber, wie Skandale genutzt werden können, um feministische und queere Forderungen zu thematisieren.

Was sagt die Skandalisierung von künstlerischen Inszenierungen über den gesellschaftlichen Status quo aus, in denen sie stattfindet? Welche Rolle spielen dabei Geschlecht und Sexualität? Lassen sich Skandale planen? Welche Wirkung haben skandalöse Inszenierungen auf gesellschaftliche Diskurse? Welche Rolle spielt die skandalöse Inszenierung und Diskursivierung von Körper und/oder Sexualität für eine queere und feministische Praxis? Welchen Platz haben Skandale in der queeren und feministischen Geschichte?

Venue

ICI Berlin
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With

Reyhan Şahin
Lady Bitch Ray
Patsy l’Amour laLove
Jule Govrin
Luce DeLire

Organized by

Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien in Kooperation mit dem ICI Berlin

In German

First published on: https://www.ici-berlin.org/events/das-queere-und-feministische-potenzial-des-skandals/
Rights: © ICI Berlin
Was darf Literatur, was nicht? Die diesjährige Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien widmet sich dem Thema Skandal und fragt nach ‘skandalösen’ Poetiken – also danach, wann Grenzüberschreitungen in der Literatur und Kunst einen Skandal auslösen und wie Skandale auf das gesellschaftliche Umfeld und auf kulturelle Rahmenerzählungen zurückwirken.

Im interdisziplinären Austausch und mit internationalen Gästen fokussiert die zweisprachige Tagung den Skandal unter Berücksichtigung von literaturwissenschaftlichen, affekttheoretischen, politischen und kunsthistorischen Perspektiven: Während das Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit immer schon skandalös zu sein scheint, können politische und historische Anspielungen instrumentalisiert werden, um Skandale zu provozieren oder reale Skandale zu vertuschen. Affekttheoretische Ansätze zeigen Kunstwerk und künstlerisches Schaffen als affektpolitische Momente, in denen Intentionen bei der Entstehung eines Skandals sichtbar werden.

Plagiatsdebatten und Fragen des UrheberInnenrechts präsentieren eine Dimension von AutorInnenschaft, die häufig mit dem Skandal verknüpft ist und immer auch die Lizenzen von Literatur thematisiert. Explizite Sex-Darstellungen, Thematisierungen nicht-konventioneller sexueller Praktiken, das Einbringen von Körperflüssigkeiten oder Fäkalien führen ebenso zu Skandalen wie die Verwischung von Moralvorstellungen, ermöglichen aber auch neue Identitätsentwürfe, die Gattungs- und Geschlechterklassifikationen in Frage stellen. Schließlich wird jedoch auch der Skandal zu einer Frage des Privilegs, wenn sich zeigt, dass nicht alle Stimmen autorisiert sind, Skandale zu provozieren.

Venue

ICI Berlin
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With

Vivien Bruns
Sidonie Kellerer
Christopher Laferl
Camilo Del Valle
Véronique Sina
Dorothea Trotter
Martina Wagner-Egelhaaf
et al

Organized by

Jahrestagung der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien in Kooperation mit dem ICI Berlin
Cite as: ‘WTF!: Das queere und feministische Potenzial des Skandals’, discussion presented at the conference Skandal: in der Literatur und den Künsten, ICI Berlin, 11 October 2019 <https://doi.org/10.25620/e191011-1>